14.10.2026

Systemintegration aus einer Hand

STILL optimiert Intralogistik für Hassia Mineralquellen

Branche: Getränkeindustrie
Unternehmen: Hassia Mineralquellen befüllt täglich bis zu 2,8 Millionen Flaschen und betreibt ein Hochregallager mit 100.000 Palettenstellplätzen in Bad Vilbel.
Herausforderung: Automatisierung der arbeitsintensiven Kommissionierung von Mischpaletten (bis zu 100 Paletten/Stunde) ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs.
Lösung: Als Generalunternehmer implementierte STILL innerhalb von sechs Monaten ein vollautomatisiertes Lager- und Puffersystem.

Täglich verlassen bis zu 6.000 Getränkepaletten das Distributionszentrum von Hassia Mineralquellen im hessischen Bad Vilbel. Um dieses enorme Aufkommen - gesteuert über ein neues Online-Bestellportal - reibungslos bewältigen zu können, greifen die intralogistischen Rädchen dank einem hohen Automatisierungsgrad perfekt ineinander. Eine besondere logistische Herausforderung brachte der Umzug der Traditionskelterei Rapp's mit sich. Die Lösung: Für eine weiterhin leistungsstarke Mischpaletten-Kommissionierung wurde die Kapazität von drei bereits bestehenden Automatiklagern zur Pufferung von Vorratspaletten um ein zusätzliches Automatiklager und ein weiteres, manuell geführtes Pufferlager erhöht. Als Generalunternehmer setzte der Hamburger Intralogistikspezialist STILL nach einem halben Jahr Aufbau im laufenden Betrieb die Systemaktivierung an nur einem Wochenende um.

Zentralisierung am Stammsitz

Die Dimensionen in Bad Vilbel sind enorm: Sieben Abfüllstraßen bewältigen bis zu 2,8 Millionen Flaschen am Tag. Gelagert werden die Getränke in vier automatischen Hochregallagern mit Platz für 100.000 Paletten. Der Leiter der internen Logistik im Distributionszentrum, Thomas Bobe, erläutert die Logistikstrategie der Hassia Gruppe: „Im zunehmenden Wettbewerb haben wir durch Bündelung der Produktion und Distribution unserer Standorte hier am Stammsitz ökologische und ökonomische Maßnahmen kombiniert und die Prozesse in unserer Intralogistik sowie die gesamte Supply Chain optimiert.“

Bei Auftragsspitzen belädt das Hassia-Team bis zu 150 Lkw im 24-Stunden-Betrieb.

Sortenreine Bestellungen laufen auf Vollpaletten per Hängebahn- und Rollenbahn-Stetigförderer direkt aus dem Hochregallager in den Versand. Deutlich komplexer ist jedoch die Handhabung von Mischpaletten. „Ein Viertel der täglich an unsere Händler ausgelieferten Paletten sind Mischpaletten mit verschiedenen Getränkemarken“, verdeutlicht Alexander Orsiwskyj, Abteilungsleiter interne Logistik, die operative Herausforderung. „Allein manuell ist die Kommissionierleistung von bis zu 100 Paletten in einer Stunde nicht mehr zu bewältigen!“

Vom Lieferanten zum Generalunternehmer

Um diesen Engpass aufzulösen, arbeiten mittlerweile vier automatische Lager zur Kommissionierung von Mischpaletten im 24/7-Betrieb. Per Nachschubsteuerung werden dort mit jeweils einem Regalbediengerät sortenreine Getränke-Vollpaletten flexibel auf die freien Positionen der insgesamt 200 Stellplätze zwischengelagert oder über Schrägrollenbahnen direkt den entsprechenden Pickpositionen zugeführt. Nach der Kommissionierung werden konturengeprüfte Mischpaletten mit dem jeweiligen Regalbediengerät und den angeschlossenen Stetigförderern entweder automatisiert in den Versand transportiert oder zur Auslieferung in den Regallagern gepuffert.

Gürhan Hangisi, Projektleiter bei STILL, ergänzt zur Ergonomie der Arbeitsplätze: „Mit unseren Niederhubwagen vom Typ EXH-S lassen sich mittels angehobener Gabel die Getränkegebinde ergonomisch komfortabel auf der Palette platzieren und die Pick-Positionen an den Gravitationsförderern schnell anfahren und abarbeiten.“

Ursprünglich war STILL lediglich als Lieferant für die neuen Regalanlagen vorgesehen. Doch tiefgehende Prozessanalysen und die bewährte Partnerschaft überzeugten die Projektleitung von Hassia Mineralquellen, den Hamburger Intralogistiker als Generalunternehmer für das gesamte Projekt zu betrauen.

Kai Freitag, Business-Development-Manager Automated Solutions bei STILL Hamburg, fasst den Lösungsansatz zusammen: „STILL verfügt über einen großen Erfahrungsschatz von mehr als 100 Jahren im Bereich der Elektrofahrzeuge, und auch im Bereich Fahrzeugautomatisierungen sind wir bereits seit über 30 Jahren tätig. So können wir für die Intralogistik unserer Kunden nahezu für jede Anwendung und Herausforderung schnell eine individuelle und passgenaue Lösung erarbeiten.“

Punktlandung im laufenden Betrieb

Die Umsetzung des Projekts glich einer Operation am offenen Herzen: Der Aufbau erfolgte innerhalb eines halben Jahres bei laufendem Betrieb - die finale Inbetriebnahme an nur einem Wochenende. Dafür wurde alte Bestandsfördertechnik demontiert, ein neues Fundament gegossen und die gesamte Hardware samt Regalbediengerät installiert. Die neuen Anlagen steuern sich sensorgestützt eigenständig - aufwendige Schnittstellenprogrammierungen entfallen damit.

„Um die Zeitpläne einhalten zu können, lag unser Augenmerk insbesondere auf der Zusammenführung der einzelnen Gewerke, also der Koordination von Lieferanten externer Hersteller sowie der internen IT und Logistik bei Hassia“, beschreibt Hangisi die kritische Projektphase.

Fazit

Die Systemintegration durch STILL liefert bei Hassia klare, messbare Ergebnisse: Die Anlage erreicht dank Technik der neuesten Generation mühelos die geforderten 100 Palettenbewegungen pro Stunde. Mit einer Gesamtverfügbarkeit von 98 Prozent erfüllt die automatisierte Lagererweiterung zudem die VDI-Richtlinien. Dies ermöglicht die Bewältigung des täglichen Volumens von bis zu 6.000 Paletten im Versand - zugleich werden die Kommissionierer durch ergonomische Lösungen spürbar entlastet.

Als Generalunternehmer koordinierte STILL Lieferanten, IT und Logistik, minimierte Schnittstellenrisiken und realisierte die Implementierung innerhalb eines halben Jahres im laufenden Betrieb. Operativ zeigt sich der Mehrwert in planbarer Verfügbarkeit, stabilen Durchsatzraten bei Mischpaletten, geringerer physischer Belastung der Beschäftigten und höherer Planungssicherheit im Versand. Für Folgeprojekte empfiehlt sich ein datenbasiertes Vorgehen:

KPI-Leistungskennzahlen messbarer Werte, mit denen der Fortschritt und Erfolg im Projekt anhand strategischer Ziele bewertet wird, sowie ROI-Zahlen für die Finanzen unterstützen die konsequente Verzahnung von Technik und Personal.

Diese Analysen sichern die wirtschaftliche und langfristige Wirkung der Automatisierung - das Hassia-Projekt bestätigt diesen Ansatz.